Zum Gebäude

Im Jahre 1912 wurde der Beschluss zum Bau gefasst, 1913 wurden die Gelder gesammelt und am 1. Mai 1914 der Grundstein gelegt, am 1. August war Richtfest und schon im September 1914 wurden Messe und Bootshaus eingeweiht. Ich habe hier die Bauzeichnung vom 7.2.1914, die ich einmal rum gehen lasse. Wie sah das Bootshaus damals also aus? Es bestand nur aus dem Mittelteil, der auf in den Boden gerammten Pfählen errichtet wurde. Im Erdgeschoss war der Lagerraum für die Boote, im Obergeschoss der Messeraum mit einem schmalen Balkon zum Wasser hin. Rechts und links davon war wiederum Lagerraum für Boote vorgesehen. Die Herrentoilette war hinter dem Vorraum am oberen Ende der Treppe, die Damentoilette im jetzigen Lagerraum des Wirtes. Der Raum für Tresen und Wirtschar maß nur rund 7 qm. Bis zum Jahre 1929 war die Anzahl der Boote so stark gewachsen, dass man die Lagerflügel rechts und links anbauen musste. 1967 wurde eine neue, größere Küche gebaut, 1968 folgte die Modernisierung der Messe und die Verlagerung der Toiletten ins Erdgeschoss, 1975 wurde der Vorbau, der sogenannte Jugendraum, zur Wakenitz hin errichtet und im Erdgeschoss wurde eine Wohnung für die Wirtsleute eingebaut.

Die Messe

Die Messe war und ist in erster Linie Versammlungsraum. sie war aber auch Ballsaal für viele Vereinsfeste. In ihr wurden Geburtstage, Hochzeiten, Sparclubfeste, Jubiläen usw. gefeiert. Der Stammtisch sah viele Mitglieder zum Feierabendbier oder sonntäglichen Frühschoppen und am Skattisch wurden viele Runden gekloppt. Die Vertäfelung der Wände und die hölzerne Decke wurden von den Mitgliedern in Eigenarbeit hergestellt. Die Messe war mit vielen Gegenständen und Bildern geschmückt, die von Mitgliedern gestiftet waren, so z.B. das große Bild von den 1 5er Rennjollen neben dem Ofen, das vorher in der Schiffergesellschaft hing. Wir hatten auch mal ein elektrisches Klavier und Vereinsmitglieder, die zum Tanz aufspielen konnten, wie z.B. Horst Schnoor. Die Messe wurde von vielen Wirtsleuten bewirtschaftet, von denen Franz Biedermann von 1923 -- 1948 am längsten dort war. Ihm folgten ohne Anspruch auf Vollzähligkeit R. Berlins, P. Eulers, Tobel, Tambourmajor, Lütgens, DDR-Spion Ahlers, Ehepaare Bubolz, Engel und Göpfert. Bis zum Antritt des Ehepaares Bubolz wurde die Messe von einer 3-köpfigen Wirtschaftskommission verwaltet, die mit den jeweiligen Wirtsleuten Einnahmen und Ausgaben abrechnete.

Lagerraum

Nach der Bauzeichnung waren die Bodenräume links und rechts der Messe auch als Bootslager vorgesehen. Ob und wie viele Boote dort gelagert wurden, kann ich nicht mehr feststellen. Weil es früher nur Holzboote gab, war der Bedarf an Lagerraum entsprechend groß. Nach den Auskünften der ältesten Mitglieder waren sieben 20er JK, fünf 15er JK, sieben 20er RJ, zehn 15er RJ, 14 Finn, 10 O-Jollen viele Piraten und andere Boote unterzubringen. Das bedeutete dass alle Jollen über den Dickschiffen in die Hängen unter der Decke gehievt und untergebracht werden mussten. Dabei wurden z-B. die Finns in mehreren Schichten übereinander hingehängt. Hinter der Küche, wo jetzt Büro und Archiv angesiedelt sind, war ein Schrankboden, zu dem direkt eine Treppe führte, die im Herbst ausgehängt wurde, um unten Platz zu haben. Bei so vielen Booten war die Auslagerung nicht an einem Tag möglich! Die unten liegenden mussten mindestens 14 Tage vor dem Anfahren raus, damit die Boote aus den Hängen noch bearbeitet werden konnten. Weil auch das nicht reichte, wurde 1968 ein Blechschuppen in den Maßen 9 x 21 m zur Wasserseite angebaut. Mit dem Aufkommen und der Verbreitung der Plastikschüsseln wurde dieser dann wieder entbehrlich. Der Lagerraum zur LSV-Seite wurde aber auch zu den Stiftungsfesten als Ballsaal hergerichtet, festlich geschmückt, mit einem Tanzboden versehen und war prall gefüllt. Für das 75jährige Jubiläum des Vereins musste sogar der Blechschuppen mit Tischen und Bänken versehen werden, um alle Feiernden unterbringen zu können.

Werft

Viele unserer Mitglieder kamen aus dem Holz verarbeitenden Gewerben. So lag es dann nahe, dass auch viele Boote im Eigenbau im Bootshaus entstanden, nach der Auslagerung wurde mit dem Bau begonnen und zur Einlagerung mussten die Boote zu mindestens lagerfähig fertig sein. So wurden etliche Jollenkreuzer, Rennjollen und Piraten im Bootshaus von den Mitgliedern gebaut. Aber auch Wochenendhäuser für den Aufbau in Schanzenberg wurden im Bootshaus vorgefertigt und dann nach Schanzenberg transportiert.

Wohnung

Aus der Bauzeichnung nicht ersichtlich, eventuell später eingebaut, war neben dem Eingang zum LKV hin ein kleiner Wohnraum, der bis in die 50er Jahre nacheinander von H. Thielke, D. Hartz, L. Hinz und W. Kautsch bewohnt wurde. In dieser Zeit blieb jedenfalls niemals nachts das Licht im Bootshaus brennen. Unterstützt wurde zumindest W. Kautsch von dem Wachhund ,,Loni", der fast jedes Mitglied kannte, bei Fremden aber giftig wurde. Der 1975 erfolgte Einbau der größeren Wohnung sollte der Gewinnung von Wirtsleuten dienen, wurde aber von diesen nur gelegentlich zum Übernachten und als zusätzlicher Lagerraum genutzt.

Besatzungszone

Weil die überwiegende Zahl der Mitglieder, um es parteipolitisch auszudrücken "rot'' war, wurde das Bootshaus 1933 uns enteignet und von den Nazis besetzt. Ab 1938 durften unsere Mitglieder unter Naziführung das Bootshaus dann wieder nutzen. 1945 requirierten dann die Engländer das Bootshaus, das sie uns erst 1948 in schlechtem Zustand zurückgaben. Dies ist in groben Zügen die Geschichte unseres Bootshauses. Wenn wir nun, der Zeit geschuldet, unsere Messe in ein öffentliches Restaurant verwandeln müssen, so hoffe ich doch, dass der Besuch der Mitglieder dazu beiträgt, unser Bootshaus auch in Zukunft zu erhalten.


Jens Heitmann und Ernst Erdmann